Rigoletto

Sonn­tag­nach­mit­tag, Opern­be­such. Es gibt »Rigo­let­to«, den popu­lä­ren Ver­di-Klas­si­ker mit drauf­gän­ge­risch-leicht­sin­ni­ger Hit-Can­zo­ne (»La Don­na è mobi­le«). Der Opern­saal im alten Volks­bil­dungs­heim in Mer­sin ist wie immer gut gefüllt; ich sit­ze für umge­rech­net 4,30 € in der fünf­ten Rei­he.

Rigo­let­to, Mer­sin Ope­ra, 24.01.2026

Der Opern­stoff ist ein roman­ti­scher Schau­er­ro­man: Der miss­ge­stal­te­te Narr Rigo­let­to steht im Dienst des Her­zogs von Man­tua und ist zum Hass­ob­jekt aller Höf­lin­ge gewor­den. Unter­schieds­los ver­spot­tet er alle, die sein Herr – ein berüch­tig­ter Schür­zen­jä­ger – ins Elend geris­sen hat. Doch zugleich hat er Angst davor, dass sei­ner Toch­ter Gil­da ein ähn­li­ches Schick­sal dro­hen könn­te und hält sie des­halb ver­steckt. Sein Ver­such, inmit­ten einer von Will­kür und Gewalt beherrsch­ten Umge­bung sei­ne pri­va­te hei­le Welt zu bewah­ren, ist jedoch zum Schei­tern ver­ur­teilt: Auch Gil­da wird vom Her­zog ver­führt und geht für ihn sogar in den Tod.

Rigo­let­to, Mer­sin Ope­ra ve Bale, 24.01.2026

Soweit die Erzäh­lung auf der Büh­ne. Musi­ka­lisch kann ich das Gesche­hen weit weni­ger gut ein­ord­nen.

Der Kri­ti­ker des Dai­ly Sabah hilft dabei: Die Titel­rol­le sei schon mal eine Fehl­be­set­zung. Dem lyri­schen Bari­ton Caner Akgüns fehl­ten vor allem die »typi­schen kraft­vol­len und mit­rei­ßen­den Aus­brü­che«. Sein Gesang sei weder kon­trast­reich noch rhyth­misch prä­zi­se, sei­ner Büh­nen­prä­senz feh­le Auto­ri­tät. Alles in allem: gesang­lich wie dar­stel­le­risch unglaub­wür­dig. »Soll­te er unbe­dingt wei­ter auf­tre­ten wol­len«, emp­fiehlt der Kri­ti­ker dem Sän­ger »sich statt­des­sen dem Mozart-Reper­toire zuzu­wen­den«.

Und Rigo­let­tos Toch­ter Gil­da? »Zer­rin Capel­li ist die größ­te Ent­täu­schung des Abends«. Schwä­chen bei den Kolo­ra­tu­ren, unge­naue Into­na­ti­on, man­geln­de jugend­li­che Dyna­mik.

Bes­ser kom­men Regis­seur und Diri­gent weg: Der Insze­nie­rung gelin­ge es, »die Tie­fe der Erzäh­lung zu ver­mit­teln« und auch das Büh­nen­bild ver­die­ne Aner­ken­nung. Die stärks­ten Leis­tun­gen des Abends lie­fer­ten aller­dings Diri­gent und Orches­ter. Und der Chor sei bes­ser als der in Anka­ra.

Was soll ich sagen, als Opern­ba­nau­se? Ich habe mich nicht gelang­weilt.

Mer­sin Ope­ra ve Bale, Kül­tür Mah., Akde­niz, 14.10.2025