Rigoletto
Sonntagnachmittag, Opernbesuch. Es gibt »Rigoletto«, den populären Verdi-Klassiker mit draufgängerisch-leichtsinniger Hit-Canzone (»La Donna è mobile«). Der Opernsaal im alten Volksbildungsheim in Mersin ist wie immer gut gefüllt; ich sitze für umgerechnet 4,30 € in der fünften Reihe.

Der Opernstoff ist ein romantischer Schauerroman: Der missgestaltete Narr Rigoletto steht im Dienst des Herzogs von Mantua und ist zum Hassobjekt aller Höflinge geworden. Unterschiedslos verspottet er alle, die sein Herr – ein berüchtigter Schürzenjäger – ins Elend gerissen hat. Doch zugleich hat er Angst davor, dass seiner Tochter Gilda ein ähnliches Schicksal drohen könnte und hält sie deshalb versteckt. Sein Versuch, inmitten einer von Willkür und Gewalt beherrschten Umgebung seine private heile Welt zu bewahren, ist jedoch zum Scheitern verurteilt: Auch Gilda wird vom Herzog verführt und geht für ihn sogar in den Tod.

Soweit die Erzählung auf der Bühne. Musikalisch kann ich das Geschehen weit weniger gut einordnen.
Der Kritiker des Daily Sabah hilft dabei: Die Titelrolle sei schon mal eine Fehlbesetzung. Dem lyrischen Bariton Caner Akgüns fehlten vor allem die »typischen kraftvollen und mitreißenden Ausbrüche«. Sein Gesang sei weder kontrastreich noch rhythmisch präzise, seiner Bühnenpräsenz fehle Autorität. Alles in allem: gesanglich wie darstellerisch unglaubwürdig. »Sollte er unbedingt weiter auftreten wollen«, empfiehlt der Kritiker dem Sänger »sich stattdessen dem Mozart-Repertoire zuzuwenden«.
Und Rigolettos Tochter Gilda? »Zerrin Capelli ist die größte Enttäuschung des Abends«. Schwächen bei den Koloraturen, ungenaue Intonation, mangelnde jugendliche Dynamik.
Besser kommen Regisseur und Dirigent weg: Der Inszenierung gelinge es, »die Tiefe der Erzählung zu vermitteln« und auch das Bühnenbild verdiene Anerkennung. Die stärksten Leistungen des Abends lieferten allerdings Dirigent und Orchester. Und der Chor sei besser als der in Ankara.
Was soll ich sagen, als Opernbanause? Ich habe mich nicht gelangweilt.
