Gegen das Vergessen

Am Abend des 11. Febru­ar 2015 ist die 19jährige Psy­cho­lo­gie­stu­den­tin Özge­can Aslan mit einem öffent­li­chen Mini­bus von Ada­na nach Mer­sin unter­wegs, um ihre Eltern zu besu­chen. Der Fah­rer nimmt einen Umweg, über­wäl­tigt die jun­ge Frau und ver­sucht, sie zu ver­ge­wal­ti­gen. Sie wehrt sich mit Fin­ger­nä­geln und Pfef­fer­spray, wird mit einer Brech­stan­ge geschla­gen und durch Mes­ser­sti­che getö­tet. Man fin­det ihre ver­brann­te Lei­che in einem Fluss­bett.

Mer­sin Şehir Mezar­lığı, Yus­uf Kılıç Mah., Toros­lar, 21.01.2026

Der Tod der jun­gen Frau führt zu lan­des­wei­ten Pro­tes­ten. Im Hei­mat­ort des Opfers ver­sam­meln sich 15.000 Demons­tran­ten, Män­ner mar­schie­ren aus Soli­da­ri­tät in Mini­rö­cken mit und die Mode­ra­to­ren der Fern­seh­nach­rich­ten begrü­ßen ihre Zuschau­er in Schwarz.

Özge­can Aslan wird auf dem Stadt­fried­hof Mer­sin bei­gesetzt. Die­ser gehört zu den größ­ten Fried­hofs­an­la­gen der Regi­on (mehr als 75.000 Grä­ber auf fast 400.000 qm) und sticht her­vor wegen sei­nes inter­re­li­giö­sen Cha­rak­ters, denn hier wer­den Men­schen unter­schied­li­cher Glau­bens­rich­tun­gen – Mus­li­me, Chris­ten und Juden – auf dem­sel­ben Gelän­de bestat­tet.

Das Grab von Özge­can Aslan auf dem Stadt­fried­hof Mer­sin ist lei­der nicht das ein­zi­ge Denk­mal eines pro­mi­nen­ten Frau­en­mords: Auch die tür­ki­sche Sän­ge­rin Bel­gin Sarıl­mışer (»Ber­gen«), die 1989 von ihrem Ex-Ehe­mann erschos­sen wur­de, wur­de hier beer­digt.

Mer­sin Şehir Mezar­lığı, Yus­uf Kılıç Mah., Toros­lar, 21.01.2026