Gegen das Vergessen
Am Abend des 11. Februar 2015 ist die 19jährige Psychologiestudentin Özgecan Aslan mit einem öffentlichen Minibus von Adana nach Mersin unterwegs, um ihre Eltern zu besuchen. Der Fahrer nimmt einen Umweg, überwältigt die junge Frau und versucht, sie zu vergewaltigen. Sie wehrt sich mit Fingernägeln und Pfefferspray, wird mit einer Brechstange geschlagen und durch Messerstiche getötet. Man findet ihre verbrannte Leiche in einem Flussbett.

Der Tod der jungen Frau führt zu landesweiten Protesten. Im Heimatort des Opfers versammeln sich 15.000 Demonstranten, Männer marschieren aus Solidarität in Miniröcken mit und die Moderatoren der Fernsehnachrichten begrüßen ihre Zuschauer in Schwarz.
Özgecan Aslan wird auf dem Stadtfriedhof Mersin beigesetzt. Dieser gehört zu den größten Friedhofsanlagen der Region (mehr als 75.000 Gräber auf fast 400.000 qm) und sticht hervor wegen seines interreligiösen Charakters, denn hier werden Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen – Muslime, Christen und Juden – auf demselben Gelände bestattet.
Das Grab von Özgecan Aslan auf dem Stadtfriedhof Mersin ist leider nicht das einzige Denkmal eines prominenten Frauenmords: Auch die türkische Sängerin Belgin Sarılmışer (»Bergen«), die 1989 von ihrem Ex-Ehemann erschossen wurde, wurde hier beerdigt.
