Was glaubst du?
Die Geschichte der katholischen Sankt-Antonius-Kirche ist auch die Geschichte der Stadt Mersin. Um 1850 erbaut, ist sie eines der Bauwerke, die mit Mersin entstanden, gewachsen und untrennbar verbunden sind. Viele Priester und Mönche kamen und gingen, gaben Stadt und Kirche etwas von sich selbst und erkannten, dass sie weit mehr zurückerhielten, als sie gaben. Sie erlebten hier nicht nur die Theorie, sondern die Realität eines Dialogs der Glaubensbekenntnisse, der Toleranz und der Möglichkeit, dass Menschen unterschiedlichen Glaubens in einer Stadt zusammenleben können; sie konnten es hier selbst erfahren und fühlten sich als Teil dieser Gemeinschaft.

Im letzten Jahrzehnt sank jedoch der christliche Bevölkerungsanteil in der Türkei auf nur noch 0,15 Prozent, konzentriert auf Istanbul, Izmir und Mersin. Vielerorts herrscht ein allgemeines Misstrauen gegenüber Christen und immer wieder kommt es zu Anschlägen auf Kirchen; Orden und Kongregationen haben kein Recht, Güter zu besitzen, zu kaufen oder zu unterhalten. Christlichen Kirchen ist untersagt, Orte für den Gottesdienst zu errichten, konfessionelle Schulen oder gar Priesterseminare zu gründen. Alle privaten Universitäten und Schulen wurden verstaatlicht. Die theologisch-orthodoxe Fakultät von Chalki wurde geschlossen, auch das kleine Seminar der Kapuziner in Mersin. Bischöfe und Ordensleute müssen wie alle Ausländer ihr Visum heute jährlich erneuern. Kirchen wurden umgewandelt in Museen, Moscheen, Schulen, Bibliotheken oder gar Scheunen.
Dagegen versucht die Sankt-Antonius-Kirche nicht die Kirche der Katholiken, Italiener, Syrer oder irgendeiner anderen Gruppe; zu sein, sondern die Kirche aller Menschen in Mersin zu bleiben. Wie schon immer in der Geschichte der Stadt, stehen die Türen der Kirche auch heute allen offen. Man kann Seite an Seite auf dem Friedhof von Mersin ruhen und Seite an Seite in der Kirche vor Gott stehen. Ein schönes Beispiel universeller Brüderlichkeit.

