Für die Katz
Vieles an diesen streunenden Katzen ist besonders: ihr ausdrucksvoller Blick, der fein geschwungene Schnurrbart, der prächtige Schweif. Vielleicht auch ihre überlegene Erscheinung, dieses Immer-schon-da-gewesen-Sein, damals in den Gassen von Konstantinopel und Byzanz genauso wie heute in den Hinterhöfen der Teehäuser, Werkstätten und Schnellrestaurants von Mersin. Das Unbezähmbare und Bunte, im Fell wie in der Mentalität.

Kultur, Religion, Geschichte, Legenden prägen den Status der Straßenkatzen. Angeblich predigte der Prophet Mohammed gerne mit seiner geliebten Katze Muezza auf dem Schoß. Als das Tier einmal auf seine Robe einschlief, schnitt er lieber seinen Ärmel ab, als Muezza zu wecken. In den meisten islamischen Ländern haben die Menschen darum eine besondere Beziehung zu Katzen – die anders als Hunde als reine Tiere gelten -, weil der Prophet sie wirklich geliebt hat.
Die Menschen in der Türkei haben ein System der Gemeinschaftspflege für Katzen entwickelt, besonders in den Städten. Dort leben die Tiere unabhängig aber dennoch eng mit den Menschen zusammen. Sie kennen die Katzen ihrer Viertel sehr gut, beschreiben ihre Charaktere, als würden sie über gute Freunde sprechen, geben den Vierbeinern gerne auch Spitznamen.

Aber Tiere sind immer auch Projektionsflächen und wie über sie gesprochen wird, verrät auch etwas über das gesellschaftliche Klima einer Stadt. Und dort, wo der Wandel zum Verschwinden alter Viertel und ihrer alten Bewohner führt, wo Brachflächen und kleine Plätze wegfallen, verschwinden auch die Katzen.
