Für die Katz

Vie­les an die­sen streu­nen­den Kat­zen ist beson­ders: ihr aus­drucks­vol­ler Blick, der fein geschwun­ge­ne Schnurr­bart, der präch­ti­ge Schweif. Viel­leicht auch ihre über­le­ge­ne Erschei­nung, die­ses Immer-schon-da-gewe­sen-Sein, damals in den Gas­sen von Kon­stan­ti­no­pel und Byzanz genau­so wie heu­te in den Hin­ter­hö­fen der Tee­häu­ser, Werk­stät­ten und Schnell­re­stau­rants von Mer­sin. Das Unbe­zähm­ba­re und Bun­te, im Fell wie in der Men­ta­li­tät.

Soli Tatil Site­le­ri, Men­de­res Mah., Mezit­li, 19.04.2026

Kul­tur, Reli­gi­on, Geschich­te, Legen­den prä­gen den Sta­tus der Stra­ßen­kat­zen. Angeb­lich pre­dig­te der Pro­phet Moham­med ger­ne mit sei­ner gelieb­ten Kat­ze Muez­za auf dem Schoß. Als das Tier ein­mal auf sei­ne Robe ein­schlief, schnitt er lie­ber sei­nen Ärmel ab, als Muez­za zu wecken. In den meis­ten isla­mi­schen Län­dern haben die Men­schen dar­um eine beson­de­re Bezie­hung zu Kat­zen – die anders als Hun­de als rei­ne Tie­re gel­ten -, weil der Pro­phet sie wirk­lich geliebt hat.

Die Men­schen in der Tür­kei haben ein Sys­tem der Gemein­schafts­pfle­ge für Kat­zen ent­wi­ckelt, beson­ders in den Städ­ten. Dort leben die Tie­re unab­hän­gig aber den­noch eng mit den Men­schen zusam­men. Sie ken­nen die Kat­zen ihrer Vier­tel sehr gut, beschrei­ben ihre Cha­rak­te­re, als wür­den sie über gute Freun­de spre­chen, geben den Vier­bei­nern ger­ne auch Spitz­na­men.

Down Kafe, Men­de­res Mah., Mezit­li, 10.09.2025

Aber Tie­re sind immer auch Pro­jek­ti­ons­flä­chen und wie über sie gespro­chen wird, ver­rät auch etwas über das gesell­schaft­li­che Kli­ma einer Stadt. Und dort, wo der Wan­del zum Ver­schwin­den alter Vier­tel und ihrer alten Bewoh­ner führt, wo Brach­flä­chen und klei­ne Plät­ze weg­fal­len, ver­schwin­den auch die Kat­zen.

MBB Kül­tür Par­kı, Dum­lupı­nar Mah., Yenişe­hir, 13.09.2024