Warum wir hier sind
Wir wollen allein sein und einfach alles andere auf sich beruhen lassen. Wir wollen im Bademantel auf dem Bett liegen, an Radioknöpfen drehen und in Büchern lesen, ohne das Gelesene auszuwerten. Wir wollen uns selbst und unsere Körper vergessen und wir wollen die Namen vergessen, die wir füreinander gefunden haben. Wir wollen die Gegenwart und die Zukunft lossein, die Tageszeiten, die Liebe und selbst den Frühling, den eigenen Tod und die Stimme des anderen, die Möglichkeit der Freude und die Möglichkeit der Verzweiflung, den Beruf, die Routine, den Terminkalender.

Wir wollen vergessen, wieviel wir verdienen und wir wollen vergessen, in welchem Land wir leben. Wir wollen von Zeitung, Radio und Fernsehen, von Menschen und Weltgeschichte nichts erfahren. Wir wollen ohne Frage und Auskunft alleine sein, ohne Begründung allein, uneingeschränkt und restlos uns selbst überlassen, nutzlos und überflüssig und unverwertbar, außerhalb aller Zusammenhänge und nicht zu erreichen. Von Resignation und Hoffnung gleichermaßen entfernt. Wir wollen in Träumerei ohne Inhalt verschwinden und der Zeit überlassen bleiben im Hinblick auf nichts. Wir wollen weder Zeit gewinnen noch Zeit verlieren und falls wir überhaupt etwas wollen, dann den Luxus der Willenlosigkeit.
