Warum wir hier sind

Wir wol­len allein sein und ein­fach alles ande­re auf sich beru­hen las­sen. Wir wol­len im Bade­man­tel auf dem Bett lie­gen, an Radio­knöp­fen dre­hen und in Büchern lesen, ohne das Gele­se­ne aus­zu­wer­ten. Wir wol­len uns selbst und unse­re Kör­per ver­ges­sen und wir wol­len die Namen ver­ges­sen, die wir für­ein­an­der gefun­den haben. Wir wol­len die Gegen­wart und die Zukunft los­sein, die Tages­zei­ten, die Lie­be und selbst den Früh­ling, den eige­nen Tod und die Stim­me des ande­ren, die Mög­lich­keit der Freu­de und die Mög­lich­keit der Ver­zweif­lung, den Beruf, die Rou­ti­ne, den Ter­min­ka­len­der. 

Aros 26, Viranşe­hir Mah., Mezit­li, 30.03.2024

Wir wol­len ver­ges­sen, wie­viel wir ver­die­nen und wir wol­len ver­ges­sen, in wel­chem Land wir leben. Wir wol­len von Zei­tung, Radio und Fern­se­hen, von Men­schen und Welt­ge­schich­te nichts erfah­ren. Wir wol­len ohne Fra­ge und Aus­kunft allei­ne sein, ohne Begrün­dung allein, unein­ge­schränkt und rest­los uns selbst über­las­sen, nutz­los und über­flüs­sig und unver­wert­bar, außer­halb aller Zusam­men­hän­ge und nicht zu errei­chen. Von Resi­gna­ti­on und Hoff­nung glei­cher­ma­ßen ent­fernt. Wir wol­len in Träu­me­rei ohne Inhalt ver­schwin­den und der Zeit über­las­sen blei­ben im Hin­blick auf nichts. Wir wol­len weder Zeit gewin­nen noch Zeit ver­lie­ren und falls wir über­haupt etwas wol­len, dann den Luxus der Wil­len­lo­sig­keit. 

Aros 26, Viranşe­hir Mah., Mezit­li, 18.01.2026