Was ist das Glück?
Wir hatten uns im Supermarkt bemerkt, kannten uns aber nicht und wenn wir uns trafen, war das ein Zufall. Wir trafen uns nicht allein, wir redeten durcheinander und lachten viel. Es genügte, einander sympathisch zu finden und ähnliche Wünsche festzustellen – eine Absicht war nicht dabei. Dann fingen wir an, uns zu verabreden. Wir verabredeten uns häufiger und freuten uns darauf. Beiläufig stellten wir fest, dass wir beide uns freuten. Nicht mehr nur der Zufall verhalf uns so zu einem Rendezvous, wir rechneten nun miteinander. Wir stellten uns gemeinsame Reisen vor, eine gemeinsame Wohnung in der Türkei, ein beständiges, helles, geflügeltes Leben zu zweit. Gehörten wir zusammen? Ja, nein und vielleicht – es gab keine Antwort. Wir stellten fest, dass wir nichts voneinander wussten. Was wir von uns erzählt hatten, war nicht genug, wir wollten wissen, wer der andere war. Die anfängliche Vertrautheit erschien uns schwach, die Vergangenheit des andern gefährlich dunkel. Unsere Sorglosigkeit war in Gefahr. Hast du mir die Wahrheit gesagt? Liebst du mich, und wen liebst du noch? Liebst du mich wirklich? Kannst du denn wissen, ob du mich wirklich liebst? Lieben wir uns oder sind wir bloß verliebt? Wir lagen schlaflos in unseren Wohnungen und schickten uns Textnachrichten auf unsere Handys. Wir lagen nebeneinander auf dem Bett und versuchten die Liebe oder versuchten sie nicht. War es denn möglich, dass wir zusammen lebten? War die Liebe Wirklichkeit? War nicht alles Täuschung und Illusion, ein einziges Regenbogenwetter der Gefühle? Und was war das Glück, das wir erfahren hatten, so bodenlos, verletzlich und unbeständig? Das Glück war eine Sache, die wir überleben wollten.
