Mut zum Leben

Fatih Mah., 13.05.2025
Fatih Mah., 13.05.2025

Von jeher hat der Mensch sei­ne Frei­heit, sei­ne Ver­nunft, sei­nen Mut und sei­ne Gren­zen erprobt und die Pro­be sogar als Effek­ti­vi­täts­be­weis für den Mut erson­nen. Und heu­te? Kaum noch Spiel- und Leer­raum, wenig Zeit für nichts. Unter­schrei­ben Sie ein­fach den Ver­trag an der ange­ge­be­nen Stel­le. Ver­ges­sen Sie nicht, dass Ihre Ent­schei­dun­gen nicht nur Sie selbst ange­hen, son­dern auch die ande­ren. Das Risi­ko ist eine alt­mo­di­sche Roman­tik für Erwach­se­ne, die nicht erwach­sen wer­den und kei­ne Ver­ant­wor­tung über­neh­men wol­len. Nie­mand will mehr der Gefahr ins Auge sehen. Auch die­sen Mut haben wir uns nicht bewahrt.

Schon gar nicht wol­len wir unser Leben ris­kie­ren, obgleich die­ser Aus­druck zu den schöns­ten unse­rer Spra­che gehört. Bedeu­tet er zwin­gend, dass man sich dem Tod stellt – und über­lebt? Oder wohnt dem Leben selbst eine gehei­me Vor­rich­tung inne, eine Musik, die für sich genom­men allein imstan­de ist, das Dasein auf jene Kampf­li­nie zu ver­schie­ben, die Begeh­ren heißt? Denn das Risi­ko stößt in einen unbe­kann­ten Raum vor. Das Risi­ko ist ein Kampf, bei dem wir den Geg­ner nicht ken­nen, ein Begeh­ren, das uns selbst nicht bewusst ist, eine Lie­be, deren Gesicht uns ver­bor­gen bleibt, ein rei­nes Ereig­nis.

Anne Dufour­man­tel­le: Lob des Risi­kos (2018)