Geschichte der Stadt (1)
Die Geschichte der Stadt Mersin beginnt in den 1870er Jahren mit dem Bau eines neuen Hafens für den Baumwollexport aus dem Hinterland. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts ist die Ortschaft nicht mehr nur die kleine Sommerfrische an der Küste: Zahlreiche Unterkünfte, darunter vier Gasthäuser und zwei Hotels, empfangen regelmäßig Gäste. Die Stadt verfügt über Badehäuser, Lagerplätze, Dampf- und Wassermühlen und sogar eine Baumwoll-Entkörnungsmaschine.

Im Westen der Stadt entsteht ein Basar mit annähernd vierhundert Verkaufsstellen, Kaffeehäusern und offenen Lagerhallen in drei überdachten Gassen, in denen einheimische wie ausländische Waren sowie alle Arten von Feinkost und Lebensmitteln gehandelt werden. Eine prächtige Hauptstraße führt vom Basar durch ein vornehmes Wohnviertel zur Straße nach Adana und zum Bahnhof und täglich ziehen Karawanen hindurch und tragen zu einem lebhaften Erscheinungsbild bei.
Tag für Tag dehnt sich die Stadt aus. In der Nähe des Leuchtturms entstehen kleine Parks und breite, gepflasterte Straßen, zeugen Kontore zahlreicher Reedereien und Handelsagenturen von einer neuen wirtschaftlichen Dynamik. Überall in der Stadt pflanzt die Gemeinde Bäume und errichtet ein Kanalnetz, um die Ableitung von Abwasser zu gewährleisten. Ende der 1890er Jahre gibt es in allen Stadtteilen fließendes Wasser. Ein polnischer Ingenieur war aus Beirut gekommen, um die Arbeiten zu überwachen.
Hier, in der Altstadt, schlägt heute das Herz von Mersin, finden sich die ältesten Gebäude der Stadt. Viele sind dem Verfall preisgegeben, manche durch profane Neubauten ersetzt, wenige mit Bedacht renoviert und einer neuen Verwendung zugeführt. Das Gülnar Oteli ist ein Beispiel, oder etwa auch das Levante House, das heute ein Kunstcafé beherbergt. Anfang des 20. Jahrhunderts war dieses Gebäude mit Innenhof, Mezzaningeschoss und Dachterrasse noch das Wohnhaus der Familie von Emilio Levante und gleichzeitig das Kontor seines Reedereibetriebs.

